Wärme ist Lebensqualität
 

 

Wärme ist Lebensqualität

Interview mit Jürgen Böhm, Produktmanager Schornsteinsysteme, ERLUS AG


Häuser sind immer besser gedämmt und immer energieeffizienter. Können wir bald auf Schornsteine verzichten?

Im Gegenteil. Ganz unabhängig vom Energiestandard eines Neubaus ist und bleibt der Schornstein ein wichtiger Teil der Haustechnik und ist für die sichere Wärmeversorgung  unverzichtbar.

Gilt das denn auch dann, wenn ich ein Haus baue in das eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung eingebaut wird, wie beim Passivhaus zum Beispiel?

Ja, unbedingt. Denn auch in einem Passivhaus muss zugeheizt werden. Und der springende Punkt ist, wie man den zusätzlichen Heizbedarf deckt.
Es stimmt natürlich, dass ein Passivhaus durch seine gute Dämmung viel Wärme im Inneren hält. Mit seiner kontrollierten Wohnraumlüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung können auch die Verluste durch Lüften stark gesenkt werden. Das heißt, eine  klassische Zentralheizung die etwa mit Öl oder Gas betrieben wird, braucht man dort nicht mehr. An den meisten Tagen im Jahr wärmt sich das Gebäude praktisch selbst. Spätestens an finsteren Wintertagen reicht das aber nicht. Dann muss man   zuheizen.  Und das ist im Konzept eines Passivhauses auch so vorgesehen: Bis zu 15 Kilowattstunden Heizwärmebedarf je Quadratmeter und Jahr werden bei diesen Gebäuden planerisch angesetzt. Bei einem Haus mit beispielsweise 130 Quadratmetern Wohnfläche wären das um die 2000 Kilowattstunden Heizwärme, was umgerechnet ca. 600 EUR Stromheizkosten allein nur für Raumheizung entspräche.
In der Planung geht man da leider häufig den einfachsten Weg: Über ein Elektroheizregister in der Lüftungsanlage wird die verbleibende Heizlast rein elektrisch gedeckt. Dies macht den Bewohner aber zu 100% von der teuersten und im Hinblick auf den Primärenergieaufwand schlechtesten Wärmequelle Strom abhängig. Und das ausgerechnet beim energieeffizienten Passivhauskonzept.

Das ist aber nicht der einzige Nachteil. Mit einer solchen planerischen Konzeption hat man wirklich nur den Grundbedarf an Wärme gedeckt. Außerdem ist es meist nicht möglich, über die Lüftungsanlage allein, die Temperatur einzelner Räume zu regeln. Und solche Systeme sind sehr träge, da nur kleine Heizregister eingeplant werden, was im rechnerischen Mittel ja auch ausreicht und vor Überraschungen bei der Stromrechnung schützen soll.

Das ist aber eine sehr technische Sicht, bei der häufig eines vergessen wird: Wärme ist Lebensqualität.

Für schnell verfügbare Wohlfühlwärme muss man also anderweitig zuheizen, am Besten mit einem Kamin- oder Kachelofen. Also braucht man auch einen Schornstein. Dieser kann bei Erlus auch gleich mit einem Schacht für die Solarleitungen kombiniert werden.

Sie sprechen von einer Solaranlage und Kaminofen. Ist diese Kombination bei einem Hocheffizienzgebäude, wie dem Passivhaus denn sinnvoll?

Ja, sie ergänzen sich hier sogar besonders gut.
Mit der Dämmung der Gebäudehülle kann man in erster Linie nur die Wärmeverluste durch die Außenhülle und so den Heizwärmebedarf senken. Was den Bedarf an Warmwasser für Bad und Küche angeht kann man dagegen den Energiebedarf nur sehr begrenzt beeinflussen. Man muss einfach bedenken, dass ein Passivhaus genau wie jedes andere Haus auch einen Warmwasserbedarf besitzt. Für Duschen etc. wird somit nochmals ein zusätzlicher Energiebedarf fällig, der üblicherweise im Bereich von ca. 30-45 kWh/m2a liegt. Genau vorhersagen lässt sich dieser aber nicht, da er im hohen Maße vom Nutzungsverhalten, also bspw. der Anzahl der Personen und persönlichen Gewohnheiten abhängt. In der Regel wird er durchaus zwei- bis dreimal so hoch wie der Heizwärmebedarf des Passivhauses sein.

Einige Planungen sehen hierzu mitunter eine Luft-Luft-Wärmepumpe vor, mit der Absicht den Heizbedarf und Warmwasserbedarf gemeinsam zu decken. Eine solche Luft-Luft-Wärmpumpe arbeitet aber nur dann energetisch sinnvoll, wenn der Temperaturunterschied zwischen drinnen und draußen gering ist und ein gleichmäßiger Wärmebedarf besteht.
Technisch funktioniert ein solcher Einbau zwar, ist aus meiner Sicht aber eher nachteilig beim Einbau in ein Hocheffizienzgebäude. Zum einen wird Zuheizen im Passivhaus nur bei niedrigen Außentemperaturen erforderlich und Warmwasser erfordert ohnehin einen hohen Temperaturunterschied zum Freien. Ferner wird Warmwasser stets meist zeitlich geballt benötigt, sprich zu den Duschzeiten, was einen Warmwasserspeicher sowieso erforderlich macht. Dies senkt die Effizienz solcher Wärmepumpen immer weiter und gleicht sich im ungünstigen Falle dem reinen elektrischen Heizen immer mehr an. Überraschungen bei der Stromrechnung sind also drin.

Glücklicherweise gibt es eine Alternative mit viel Mehrwert, bei der man sich nicht zu 100% vom Strom abhängig machen muss.
Diese besteht aus einer Solarthermieanlage auf dem Dach und einem Kamin- oder Kachelofen mit Wassertasche. Bei einem solchen Konzept hat man beim Ofen den Vorteil zusätzliche Wärme in das Warmwassernetz des Hauses einspeisen zu können. Das ist vor allem an Tagen interessant, an denen die Sonne nicht genügend Wärme über die Solaranlage liefern kann und ansonsten elektrisch, wieder mit zusätzlichen Kosten verbunden, zugeheizt werden müsste.

So schenkt uns die Sonne ihre Wärme das ganze Jahr: Wenn sie gerade scheint über die Kollektoren, ansonsten über ihre im Holz gespeicherte Energie. Und das Ganze ist zudem CO2-Neutral.
Der schöne Nebeneffekt ist dabei, dass das Haus durch Vorhandensein eines Kamin- oder Kachelofens erheblich an Gemütlichkeit und Wohnwert gewinnt.

Manche Bauherren werden einen Kamin- oder Kachelofen für Luxus halten. Haben sie nicht Recht?

Ein Haus baut man in der Regel nur einmal, mit dem Ziel sich sein ganzes Leben darin wohlzufühlen. Für mich ist Wohlfühlwärme kein Luxus, sondern ein Grundbedürfnis. Ich will das mal so verdeutlichen: Stellen Sie sich einfach vor, sie haben einen Winterspaziergang gemacht. Sie kommen durchgefroren nach Hause. Was wünschen Sie sich jetzt? Sie möchten sofort Wärme spüren. Und noch schöner ist es, die angenehme Strahlungswärme  wahrzunehmen, wenn man vor einem Kamin- oder Kachelofen sitzt.  Dieses Wohlfühlen ist kein übertriebener Luxus, sondern konsequente Ergänzung des Energiekonzepts. Zusammen mit einem modernen Lüftungsnetzwerk verteilt sich die Wärme zudem auch noch im ganzen Haus. Man muss also keine Sorge haben, zum Schornstein hinaus zu heizen und braucht zudem keine bösen Überraschungen bei der Stromrechnung befürchten.

Es wird Bauherren geben, die vielleicht sagen: Wir versuchen es erst einmal ohne Schornstein. Wenn man ihn braucht, kann man ihn ja später noch nachrüsten.

Prinzipiell ist das möglich und in der Tat treten ständig Bauherren, die ohne Schornstein gebaut haben mit dem Wunsch nach einem nachträglichen Schornstein an uns heran. Bei der Nachrüstung entscheidet man sich aber ganz eindeutig für die zweitbeste Lösung. Man gibt am Ende mehr Geld aus und muss gegebenenfalls etliche Kompromisse eingehen. Zu vertretbaren Kosten und mit dem geringsten Aufwand und Schmutz kommt nachträglich eigentlich nur noch ein Außenschornstein in Frage. Je nach Geschmack und Baustil kann ein solcher Außenschornstein eine erhebliche optische Beeinträchtigung sein. Aber es kommt noch etwas Wichtiges hinzu: Man ist ja nicht frei bei der Platzierung des Außenschornsteins und das heißt, wo der Ofen am Ende steht, ist auch nicht frei wählbar.

Man kann heute viel energiesparender heizen, aber das Thema ist auch komplizierter geworden. Wie können Sie Bauherren helfen, die richtige Entscheidung zu treffen?

Wir geben den Bauherren sehr einfache Entscheidungshilfen an die Hand. Er muss nur drei Fragen beantworten und weiß sofort welches Schornsteinsystem das Richtige für ihn ist. Denn wir haben den Schornstein zum Rückgrat des Hauses weiterentwickelt. Auch Lüftungsnetzwerke oder Solarthermieanlagen brauchen eine vertikale Erschließung – vom Keller bis unter das Dach. ERLUS fasst diese Kanäle in einem Verbundmantelstein zusammen, der auch den Schornsteinzug enthält. So bekommt jeder Bauherr nicht nur eine passende, sondern auch zukunftssichere Lösung, weil alle Wärmequellen berücksichtigt sind.

 
   


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